Tipps rund um den Unterricht

In loser Folge finden Sie auf dieser Seite einige Tipps, die sich alle aus den grundlegenden Prinzipien des MDU® ableiten lassen.
Eine grosse Anzahl dieser Vorschläge können Sie als grosses und vernetztes Ganzes im Rahmen der MDU®-Ausbildung erlernen - und dann sind sie recht bald keine vereinzelten Tipps mehr!
Einen ersten Einblick in die Grundlagen des MDU® können Sie z.B. in einem Seminar "MDU®-Basic" erhalten...

Das zentrale und grundlegende Unterrichts-Prinzip des MDU® lautet:

"Ich will gar nicht mehr, dass meine Schüler etwas lernen;
ich will sie vielmehr darin unterstützen, etwas lernen zu WOLLEN!"

Fidget-Spinner...

...sind grad ein möglicherweise kurzlebiger, aber dennoch vom Grossteil aller Kinder gern genutzter Freizeit-Hype. Warum sollte man diesen nicht auch im Instrumentalunterricht nutzen?!?

"Schaffst Du es, Dein Stück durchgespielt zu haben, bis sich der Fidget-Spinner nicht mehr dreht?"

Alternativen:
- Bis zu welchem Takt schaffst Du es? (lange Stücke)
- Wie oft kannst Du das Stück durchspielen? (kurze Stücke)
- Wie viele Tonleitern schaffst Du?

Es gibt mehrere Variablen:
- Das Tempo des Stückes
- Die Geschwindigkeit des Fidget Spinners
- Der musikalische Inhalt (siehe oben)

Erste Versuche im Unterricht zeigen, dass viele Schüler mit hoher Motivation und hoher Ausdauer üben.

Und das passt natürlich ganz besonders gut in MDU-Formen, in denen ein Teil der Unterrichtszeit durch das selbstständige Üben sowie das durch mit- und voneinander Lernen geprägt ist.

Und dort, wo es "passt", darf das Spiel durchaus zu einem kleinen Wettbewerb unter den Schülern "ausarten"...

Weitere Ideen finden Sie hier.

Tipp zum Thema "Fauler Schüler"

Verlängern Sie die Lektion eines unmotivierten Schülers doch mal um 10 Minuten, um das Recht zu haben, während des Unterrichts z.B. zwei mal 5 Minuten Pause machen zu dürfen. Der Schüler kann dann in dieser Zeit mal kurz alleine üben - die Verantwortung, dass dieser Schüler in dieser Zeit keinen "Unfug" macht, bleibt natürlich bei Ihnen.
Warum dieser unbezahlte Aufwand?

Die konkrete Situation:
Im Unterricht ist eine schwere Stelle für den Schüler "klar", d.h. er hat sie verstanden. Also braucht er sie eigentlich nur noch zu üben - benötigt dazu aber wohl kaum noch Hilfe von Ihnen. Sie beschleicht aber das dumpfe Gefühl, dass dieser Schüler in der nächsten Woche den Unterricht mit "Ich konnte nicht üben, weil..." beginnt.

Stellen Sie doch mal die Frage: "Willst Du das jetzt kurz allein üben?"
Oft sagt der Schüler allerdings: "Nein, das übe ich lieber daheim!" ... und nicht selten ist die Stelle in der nächsten Woche immer noch nicht gekonnt...
Kommt Ihnen das vielleicht bekannt vor?

Versuchen Sie doch mal diese 3-teilige Frage:
1. Möchtest Du das JETZT kurz üben?
2. Oder möchtest Du das DAHEIM üben?
3. Oder möchtest Du Dich in der nächsten Woche dafür entschuldigen, dass Du es daheim nicht üben konntest?

Falls "3." vom Schüler gewählt wird, unsere Empfehlung einer Standard-Reaktion: "In diesem Fall beginnt dann Deine nächste Lektion allein, und sobald Du es kannst, dann kannst Du mich ja holen!"

Durch die dritte Wahlmöglichkeit entfällt die bisherige Wahl (= "Ich habe JETZT keine Lust zu üben und vertröste auf daheim!"), da ja nun klar kommuniziert ist, dass dann die nächste Lektion AUTOMATISCH mit dem selbstständigen Üben beginnt.

Es wird also AUF JEDEN FALL geübt:
1. jetzt unmittelbar
2. daheim
3. Beginn nächste Lektion

Wir haben noch weitere Ideen entwickelt für den Fall, dass der Schüler alle drei Alternativen ablehnen sollte. Die würden aber diesen Rahmen sprengen... ;-)

 

IM PÄDAGOGISCHEN KLARTEXT:

"Würdest Du das bitte daheim üben?" - Welcher Schüler würde diese Frage tatsächlich mit einem "Nein!" beantworten? Eine Woche später hören wir uns dann sagen: "Wir hatten doch vereinbart, dass...!"

Dieses unausgesprochene "Nein" des Schülers kann sich durchaus durch sein Nicht-Üben äussern und ist möglicherweise sogar sein stiller Protest gegenüber der aus seiner Sicht angeblichen Vereinbarung.
Da aber die Eltern den Unterricht nach "Zeit" zahlen, bleibt Ihnen dann nichts anderes übrig, als weiter am ungeübten Stück mit dem Schüler zu arbeiten. Dieses "Üben mit dem Schüler - obwohl er es eigentlich doch allein könnte" frustriert viele Lehrpersonen an Musikschulen.

Durch das oben beschriebene Handlungsmuster drücken Sie unmissverständlich aus, dass Sie wünschen, dass Ihr Schüler dieses Stück übt. Der Schüler hat aber gleichwohl drei legitime Wahlmöglichkeiten. Verschiebt er sein Üben auf daheim und übt dort gleichwohl nicht, findet automatisch das Üben zu Beginn der nächsten Lektion statt. Durch die Formulierung der 3. Möglichkeit haben Sie nun keine Verpflichtung mehr, beim Üben anwesend zu sein. Unserer Erfahrung nach geniessen es sogar viele Schüler, wenn sie in der integrierten Pause der Lehrperson ungestört üben dürfen.

Dieses Handlungsmuster kann ein erster Schritt zu weniger Frust - und mehr Zufriedenheit - in unserem Beruf sein...